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Präzise zugeschnittene Gipskartonplatten auf Werkbank, geometrische Sonderformen, CNC-Fräsmaschine im Hintergrund.

Vorfertigung kalkulieren: So berechnen Sie die tatsächlichen Kosten

Pascale Ramos ·

Wer Vorfertigung kalkulieren möchte, sollte nicht nur Material und Arbeitszeit in der Werkstatt berücksichtigen. Entscheidend sind die gesamten Kosten vom Rohmaterial bis zum montagefertigen Bauteil.

Dazu gehören Material, Arbeitszeit, Maschineneinsatz, Werkzeuge, Verschnitt und betriebliche Gemeinkosten. Zusätzlich sollte betrachtet werden, welche Arbeitsschritte durch die Vorfertigung auf der Baustelle entfallen. Erst dieser Vergleich zeigt, ob ein vorgefertigtes Formteil im konkreten Projekt tatsächlich Kosten reduziert.

Eine belastbare Kalkulation beantwortet deshalb zwei Fragen: Was kostet die Herstellung des Bauteils in der Vorfertigung – und welcher Aufwand würde entstehen, wenn dasselbe Bauteil direkt auf der Baustelle hergestellt wird?

Welche Kosten gehören in die Kalkulation der Vorfertigung?

Die Kalkulation beginnt mit den direkten Herstellungskosten. Dazu zählen zunächst das eingesetzte Plattenmaterial und die Arbeitszeit für die Fertigung. Wird eine Fräs- oder Sägemaschine eingesetzt, müssen außerdem deren Kosten berücksichtigt werden.

Hinzu kommen Verbrauchsmaterialien, Werkzeuge und Verschnitt. Auch betriebliche Gemeinkosten dürfen nicht fehlen, wenn aus den Herstellungskosten später ein belastbarer Verkaufspreis entstehen soll.

Für ein Formteil ergibt sich damit vereinfacht:

Material + Arbeitszeit + Maschinenkosten + Werkzeug/Verbrauch + Verschnitt + Gemeinkosten = Herstellkosten des Bauteils

Diese Rechnung schafft zunächst Transparenz darüber, was das Bauteil in der eigenen Fertigung tatsächlich kostet.

Wie werden die Materialkosten berechnet?

Die Materialkosten sollten auf Basis des tatsächlich benötigten Materials kalkuliert werden. Dabei reicht es nicht, nur die Fläche des fertigen Bauteils zu betrachten.

Für die Fertigung muss möglicherweise eine größere Plattenfläche eingesetzt werden. Ausschnitte, Schnittverluste und nicht weiter verwendbare Reststücke beeinflussen den tatsächlichen Materialbedarf.

Wer beispielsweise mehrere Formteile aus einer Platte fertigt, sollte deshalb erfassen, wie viele verkaufsfähige beziehungsweise nutzbare Bauteile aus dem eingesetzten Material entstehen.

Damit lautet die relevante Frage nicht nur: Wie viel Material steckt im fertigen Teil? Sondern auch: Wie viel Material muss eingesetzt werden, um dieses Teil herzustellen?

Wie wird der Verschnitt berücksichtigt?

Verschnitt gehört zu den Materialkosten und sollte nicht pauschal ausgeblendet werden. Gleichzeitig wäre es falsch, jedes Reststück automatisch als vollständigen Verlust zu bewerten.

Kann ein Reststück für ein anderes Bauteil verwendet werden, bleibt es Materialbestand. Ist es aufgrund seiner Abmessungen oder Geometrie nicht mehr sinnvoll nutzbar, wird es zum tatsächlichen Verschnitt.

Eine saubere Schnittplanung kann deshalb direkten Einfluss auf die Kosten pro Formteil haben. Werden mehrere Bauteile sinnvoll auf einer Platte angeordnet, lässt sich vorhandenes Material besser nutzen.

Gerade bei Serien sollte die Materialausnutzung deshalb Teil des Fertigungsprozesses sein und nicht erst nach der Produktion betrachtet werden.

Wie kalkuliert man die Arbeitszeit in der Vorfertigung?

Für die Personalkosten sollte die gesamte Arbeitszeit berücksichtigt werden, die unmittelbar für die Herstellung notwendig ist.

Dazu gehören nicht nur Sägen oder Fräsen. Auch Materialbereitstellung, Einstellen der Maschine, Kontrollieren und Kennzeichnen benötigen Zeit.

Bei einem wiederkehrenden Formteil kann der Ablauf beispielsweise so aussehen:

Material bereitstellen → Maschine einstellen → erstes Teil fertigen → kontrollieren → weitere Teile fertigen → kennzeichnen

Gerade bei Serien ist die Unterscheidung zwischen Rüstzeit und Fertigungszeit pro Bauteil wichtig. Die Maschine wird möglicherweise nur einmal eingerichtet, während anschließend mehrere gleiche oder ähnliche Teile gefertigt werden.

Die Rüstzeit sollte deshalb auf die gefertigte Stückzahl verteilt werden.

Warum muss die Rüstzeit separat betrachtet werden?

Die Rüstzeit entscheidet mit darüber, ab welcher Stückzahl ein Serienprozess interessant wird.

Angenommen, eine Maschine muss für ein bestimmtes Formteil eingerichtet werden. Wird anschließend nur ein einziges Bauteil gefertigt, trägt dieses Teil die gesamte Rüstzeit. Werden dagegen mehrere Teile mit derselben Einstellung hergestellt, verteilt sich der Aufwand.

Genau deshalb lässt sich die Frage, ob sich Vorfertigung lohnt, nicht allein anhand der Geometrie beantworten.

Je häufiger eine Einstellung verwendet werden kann, desto geringer wird der Rüstanteil pro Bauteil.

Das ist einer der zentralen wirtschaftlichen Hebel bei wiederkehrenden Formteilen.

Wie werden Maschinenkosten kalkuliert?

Maschinenkosten sollten nicht einfach mit dem Anschaffungspreis gleichgesetzt werden. Für die Kalkulation ist entscheidend, welche Kosten während der tatsächlichen Nutzung entstehen beziehungsweise dem Maschineneinsatz zugerechnet werden.

Dazu können beispielsweise Abschreibung, Wartung, Verschleißteile, Energie und weitere betriebliche Maschinenkosten gehören. Aus diesen Positionen kann ein betriebsindividueller Maschinenstundensatz entstehen.

Dieser wird anschließend mit der tatsächlichen Maschinenzeit des Bauteils beziehungsweise der Serie verrechnet.

Wichtig ist die Trennung von Maschinen- und Arbeitszeit. Ein Mitarbeiter kann während eines automatisierten Bearbeitungsschritts möglicherweise andere Tätigkeiten übernehmen. Bei einem handgeführten System ist er dagegen während der Bearbeitung direkt gebunden.

Die Kostenstruktur hängt deshalb auch vom Automatisierungsgrad ab.

Welche Gemeinkosten müssen berücksichtigt werden?

Neben den direkt zurechenbaren Kosten entstehen im Vorfertigungsbereich weitere betriebliche Aufwendungen. Dazu können beispielsweise Werkstattfläche, Verwaltung, Arbeitsvorbereitung oder interne Logistik gehören.

Welche Gemeinkosten angesetzt werden und wie sie verteilt werden, hängt von der Kalkulationssystematik des jeweiligen Betriebs ab.

Wichtig ist vor allem, sie nicht vollständig auszublenden. Sonst entsteht ein vermeintlich günstiger Herstellungspreis, der einen Teil der tatsächlichen Betriebskosten nicht enthält.

Für interne Prozessvergleiche kann zunächst mit direkten Kosten gearbeitet werden. Für eine vollständige Angebotskalkulation müssen jedoch auch die betrieblichen Zuschläge berücksichtigt werden.

Was kostet ein vorgefertigtes Bauteil wirklich?

Eine sinnvolle Stückkalkulation führt alle relevanten Kosten zusammen.

Ein vereinfachtes Schema kann so aussehen:

Kostenposition Berechnung
Material tatsächlicher Materialeinsatz je Bauteil
Verschnitt nicht weiter nutzbarer Materialanteil
Rüstzeit Rüstkosten geteilt durch Stückzahl
Fertigungszeit Arbeitszeit je Bauteil
Maschinenzeit Maschinenstundensatz × Einsatzzeit
Werkzeuge/Verbrauch anteilige Kosten je Bauteil
Gemeinkosten nach betrieblichem Kalkulationsschema

Die Summe ergibt die Herstellkosten des vorgefertigten Bauteils.

Damit ist die Kalkulation aber noch nicht abgeschlossen. Für die Entscheidung über Vorfertigung fehlt noch der Vergleich mit dem bisherigen Baustellenprozess.

Vorfertigung oder Baustellenfertigung: Welche Kosten müssen verglichen werden?

Wer Vorfertigung kalkulieren möchte, sollte nicht nur die Werkstatt betrachten. Sonst erscheint die Vorfertigung zunächst als zusätzlicher Kostenblock.

Entscheidend ist, welche Arbeit auf der Baustelle dadurch nicht mehr anfällt.

Bei einer klassischen Baustellenfertigung können beispielsweise folgende Schritte notwendig sein:

Material bereitstellen → messen → anreißen → zuschneiden → bearbeiten → anpassen → montieren

Bei einem vorgefertigten Bauteil verschiebt sich ein Teil dieser Tätigkeiten in die Werkstatt. Auf der Baustelle bleiben im Idealfall weniger Fertigungsschritte übrig.

Für einen fairen Vergleich müssen deshalb Gesamtkosten gegen Gesamtkosten gerechnet werden.

Welche Baustellenkosten können durch Vorfertigung reduziert werden?

Das hängt vom jeweiligen Bauteil ab. Deshalb sollte nicht mit pauschalen Prozentwerten gearbeitet werden.

Bei einem konkreten Formteil lässt sich jedoch erfassen, welche Arbeitsschritte heute auf der Baustelle notwendig sind. Dazu können Messen, Anreißen, Zuschneiden, Fräsen, Anpassen oder Nacharbeiten gehören.

Anschließend wird derselbe Ablauf mit Vorfertigung betrachtet. Dadurch lässt sich feststellen, wie viele Arbeitsstunden von der Baustelle in die Werkstatt verlagert werden und welche Tätigkeiten vollständig entfallen.

Besonders relevant ist dabei die Arbeitszeit qualifizierter Mitarbeiter. Wird ein Formteil in der Werkstatt vorbereitet, kann diese Facharbeiterzeit auf der Baustelle für andere Montageaufgaben zur Verfügung stehen.

Wie kalkuliert man Serien richtig?

Bei Serien verändert sich die Kalkulation, weil sich bestimmte Kosten auf mehrere Bauteile verteilen.

Rüstzeit, Programmeinstellungen oder das Einrichten von Anschlägen fallen beispielsweise einmal an. Anschließend können mehrere Teile nach demselben Ablauf gefertigt werden.

Deshalb sollte bei Serien immer zwischen einmaligen Kosten und Kosten pro Stück unterschieden werden.

Ein einfaches Prinzip lautet:

Gesamtkosten der Serie ÷ Anzahl der verwendbaren Bauteile = Herstellkosten pro Stück

Dabei müssen fehlerhafte oder nicht nutzbare Teile berücksichtigt werden. Sonst wird der tatsächliche Stückpreis zu niedrig angesetzt.

Wie erkennt man, welche Formteile sich zur Vorfertigung rechnen?

Eine pauschale Mindeststückzahl gibt es nicht. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Vorbereitung, Fertigung und eingespartem Baustellenaufwand.

Ein komplexes Formteil kann bereits bei kleineren Mengen interessant sein, wenn seine Herstellung auf der Baustelle viele Arbeitsschritte verursacht. Ein sehr einfaches Bauteil benötigt möglicherweise einen höheren Wiederholungsgrad, bevor ein separater Vorfertigungsprozess Vorteile bringt.

Deshalb sollten insbesondere drei Punkte miteinander verglichen werden: Rüstaufwand, Fertigungszeit und Baustellenaufwand.

Je größer der Aufwand ist, der auf der Baustelle durch ein montagefertiges Bauteil entfällt, desto interessanter wird die Vorfertigung.

Welche Fehler führen zu einer falschen Kalkulation?

Ein häufiger Fehler besteht darin, nur die reine Maschinenzeit zu betrachten. Dadurch fehlen Materialbereitstellung, Rüstzeit, Kontrolle und Kennzeichnung.

Ebenso problematisch ist es, die Vorfertigung mit dem Materialpreis des Baustellenzuschnitts zu vergleichen. Beide Verfahren verursachen unterschiedliche Arbeits- und Prozesskosten.

Auch pauschale Verschnittwerte können das Ergebnis verfälschen. Sinnvoller ist es, den tatsächlichen Materialverbrauch aus realen Fertigungsaufträgen zu erfassen und die Kalkulation anschließend mit diesen Werten weiterzuentwickeln.

Die beste Kalkulation entsteht deshalb nicht aus allgemeinen Branchenwerten, sondern aus Daten des eigenen Fertigungsprozesses.

Wie verbessert man die Kalkulation mit jedem Auftrag?

Zu Beginn kann ein Betrieb mit kalkulierten Zeiten arbeiten. Nach den ersten Aufträgen sollten diese Annahmen jedoch durch reale Fertigungsdaten ersetzt werden.

Dafür können beispielsweise Rüstzeit, Fertigungszeit, Materialverbrauch und Nacharbeit pro Bauteil dokumentiert werden. Mit jeder Serie entsteht dadurch eine bessere Datengrundlage.

So lässt sich erkennen, welche Formteile besonders kosteneinsparend vorgefertigt werden können und bei welchen Bauteilen der Aufwand höher ausfällt als erwartet.

Gleichzeitig werden Angebote belastbarer, weil nicht mehr mit groben Annahmen, sondern mit tatsächlichen Prozesswerten kalkuliert wird.

Fazit: Vorfertigung vollständig statt nur pro Maschinenminute kalkulieren

Wer Vorfertigung kalkulieren möchte, sollte den gesamten Prozess betrachten. Material, Verschnitt, Rüstzeit, Arbeitszeit, Maschinenkosten und Gemeinkosten bilden zusammen die tatsächlichen Herstellkosten eines Formteils.

Für die Entscheidung über Vorfertigung reicht dieser Wert allein jedoch nicht aus. Er muss mit dem Aufwand verglichen werden, der bei der Herstellung desselben Bauteils direkt auf der Baustelle entsteht.

Besonders bei wiederkehrenden Formteilen zeigt sich dabei der Vorteil standardisierter Fertigungsprozesse: Rüstzeiten verteilen sich auf mehrere Teile und wiederkehrende Bearbeitungen können reproduzierbar ausgeführt werden.

Die entscheidende Kennzahl ist deshalb nicht der Preis einer Maschinenminute, sondern der Gesamtaufwand pro montagefertigem Bauteil.

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